Agilität, insbesondere in Software-Entwicklungsprojekten ist angesagt. Dabei erwarten wir, dass andere das agile Mindset doch gefälligst annehmen sollen. Im schlimmsten Fall versuchen wir, den Anderen ein agiles Mindset beizubringen. Doch was macht diese Herangehensweise mit uns (allen). Marc Dürr gab den Teilnehmern beim Projektleitertreffen Hannover im Januar 2018 einen Einblick in die Psychologie des Menschen anhand von Beispielen.

Psychologie des Menschen 2018-01-16

Wie lernen wir? In einem Lernspiel konnten die Teilnehmer in 2 Teams erleben, dass neues Lernen unsere Wissensbasis verbreitert und Wiederholen das bestehende Wissen verfestigt. Zusammen sind beide Gruppen besser als eine. Wie oder was lernen wir aber am besten? Evolutionsbedingt spricht unser Gefühl zuerst an. Der Fluchtinstinkt ist stärker als das rationale Erkennen. Das machen sich z.B. die Werbungen und Spielfilme zu Nutzen. Sie sprechen in erster Linie unsere Gefühle an. So entscheiden wir uns häufig emotional, ob wir etwas kaufen und nicht unbedingt rational. Wir erinnern uns an die Gefühle während eines Films besser als an den genauen Inhalt. Beziehen wir das auf die Haltung gegenüber neuen Arbeitsweisen wie der Agilität, dann müssen wir das Team zunächst emotional überzeugen und nicht rational, um zum Erfolg zu kommen.

Was lässt uns den inneren Schweinehund überwinden? Wir erleben die Bipolarität der Gefühle: Wir wollen gute Gefühle erleben und schlechte vermeiden. Die guten Gefühle für das Altbekannte kennen wir, aber was uns das Neue bietet, wissen wir nicht. Bezogen auf die Arbeitsweisen verbleiben Menschen lieber in der alten, gewohnten Arbeitsweise als die Vorzüge einer neuen zu ergründen. Wir müssen diesen Menschen also einen Anreiz geben, damit sie die gewohnte Arbeitsweise zugunsten einer neue aufgeben. Auch das Benennen der Gefahr bei Verbleiben in der alten Arbeitsweise kann ein starker Motivator sein.

Was ist Realität? Anhand von Beispielen hat Marc Dürr den Teilnehmern die Wahrnehmungsfilter unseres Gehirns vor Augen geführt. Aus einem schwarzgrauen Bild wird durch optische Täuschung ein Farbbild. In einem Film bemerken wir durch eine gestellte Aufgabe den durchs Bild laufenden Affen nicht. Viele kennen diese Beispiele. Diese Wahrnehmungsfilter müssen geöffnet werden, damit Menschen andere Realitäten oder Vorstellungen akzeptieren.

Was motiviert uns? Ist Neugier eine starke Motivation, so trauen wir uns eher, neue Dinge auszuprobieren. Ist Sicherheit eine starke Motivation, dann halten wir eher an Altbekanntem fest. Wollen wir Menschen von einer Veränderung überzeugen, dann müssen wir ihre Motivatoren ansprechen.

Schwarmintelligenz oder Schwarmdummheit? In Gruppen verhalten Menschen sich anders. Wir neigen dazu, anderen in der Gruppe zu glauben. Informationen, die wir von mehr als einer Person bekommen, nehmen wir eher als wahr an. Stellt sie sich im Nachhinein als falsch heraus, neigen wir dazu, neue Informationen in dieses falsche Bild einzufügen. Häufiges Wiederholen einer Information trägt dagegen nicht zur Meinungsbildung bei. Das ständige Wiederholen des agilen Paradigmas ist also kontraproduktiv.

Der Vortrag regt zum Nachdenken an. Wir sollten uns diese Aspekte immer wieder in Erinnerng rufen, wenn wir unsere Vorstellungen ins Team bringen.

Referent:
Marc Dürr

Text:
Marco Jacob, PMP
Lead PMI LG Hannover

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.